Interview mit Herrn Rau vom 9.11.2006

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Ich hoffe, dass es wenigstens mal E-Mail-Verteiler geben wird statt Zettel am schwarzen Brett. Oder einen RSS-Feed vom Kultusministerium zum Einbauen und Kommentieren auf der Schulhomepage.

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Herr RauHerr Rau,
geboren 1967
* 1988-1995 Studium Lehramt für Gymnasium (Deutsch, Englisch) in Augsburg
* 1990-1991 Auslandsjahr an der University of Sussex, Brighton, England
* 1996-1998 Referendariat in Straubing und Marktoberdorf
* 1998 bis jetzt Lehrer in Fürstenfeldbruck
* seit Dezember 2005 auch Lehrer für Informatik (zwei Jahre Kompaktstudium an der TU München)

Verheiratet seit 10 Jahren, keine Kinder. Zwei Brüder, einer davon ein Zwilling. Der hat neulich eine Französin geheiratet. Sie merken, ich suche immer verzweifelter nach Möglichkeiten, den kargen Lebenslauf zu füllen. Meinen ersten Club habe ich gegründet, als ich zwölf war, meinen letzten mit 18. Ähnliche Informationen kann ich zuhauf anbieten, aber sonst ... draußen ist Herbst, und mir fällt auf, dass ich nicht in eienm Beduinenzelt geboren wurde und noch nie als Matrose gearbeitet habe.
Nun ja.

Lehrerzimmer

sagmal.de:
"Der Veteran des schulischen Bloggens, Herr Rau, war meines Wissens nach der erste Blogger, der ein Weblog ernsthaft im Unterricht eingesetzt hat - im Jahr 2003 (!)", heißt es heute beim Lehrerfreund. Stimmt das, bloggen Sie ernsthaft, mit didaktischem Konzept? Wie lange gibt es Ihr Weblog jetzt schon?

Herr Rau:
Mein Weblog gibt es seit April 2004. Allerdings gibt es einen Vorläufer vom September 2003: Das war ein Blog, das ich für meinen damaligen Leistungskurs Deutsch eingerichtet hatte. Das Blog lief knapp eineinhalb Jahre und die Schüler wechselten sich mit den Einträgen ab. Dahinter steckte tatsächlich ein Konzept: Die Schüler (und auch ich) sollten Rückmeldungen über den Unterricht geben, Buch führen über Geleistetes und Material sammeln. Ich wollte außerdem, dass mehr aus dem Unterricht in die Öffentlichkeit kam. Bald danach habe ich das eigene Blog für mich eingerichtet, zwischendurch auch sonst mal mit Blogs gearbeitet.

sagmal.de:
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, es zu führen?

Herr Rau:
Ich hatte bereits meiner Frau beim Einrichten eines Blogs geholfen. Als ich dann einen Leistungskurs Deutsch übernahm, erinnerte ich mich, dass ich in meiner Ausbildung von einem Kurs gehört hatte, der die Stunden mitprotokollierte. Das wollte ich auch ausprobieren, mit der zusätzlichen Möglichkeit der Kommentierung. Mein eigenes Blog entstand dann, weil ich selber mehr mitzuteilen hatte als die Schüler, und weil meine Frau viel über mich gelacht hat und meinte, das würden andere auch tun.

sagmal.de:
Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?

Herr Rau:
Beim ersten Blog damals: Teilweise. Aber ich habe festgestellt, dass die meisten Schüler kein besonderes Mitteilungsbedürfnis haben, auch wenn ich das ab und zu anders lese. Mein eigentliches Blog: Ich schreibe etwa so häufig, wie ich ursprünglich wollte, aber weniger über die Schule, als ich gedacht hatte. Dabei gäbe es so viel mehr zu schreiben. Vieles darf ich leider nicht erzählen, bei anderen Dingen fehlt mir die Energie, und dann ist es auch immer wieder schwierig, sich klar zu machen, dass die banalen Dinge des Lehreralltags für andere Leute interessant sein könnten. Ich glaube jedenfalls, dass es noch nicht genügend bloggende Lehrer gibt.

sagmal.de:
Spielt das Bloggen eine Rolle in Ihrem Unterricht? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum nicht?

Herr Rau:
Es spielt fast keine Rolle. Ein paar Kollegen erfahren Nachrichten schneller von meinem Blog als vom unübersichtlichen schwarzen Brett unseres Lehrerzimmers; einige Schüler lesen mit und kommentieren, und einige Schüler habe ich vielleicht dazu angeregt, selber lesenswert zu bloggen. Vielleicht. Aber abgesehen von drei Experimenten, die jeweils nur über einige Monate gingen, spielt Bloggen keine Rolle mehr für den eigentlichen Unterricht. Ich habe allerdings Pläne für dieses Schuljahr in Form von Lesetagebüchern und will auch Bloglektüre mehr im Unterricht einsetzen. Da gibt es aber noch technische Hindernisse: Viele Schüler haben zu Hause keinen Computer oder gar Internet-Zugang. Oder auch nur eine permanente E-Mail-Adresse. Also muss doch das meiste aus dem Computerraum laufen. Da arbeite ich gerade mehr mit Wikis.

sagmal.de:
Wenn es um das Verwalten und Sammeln von Daten angeht, werden Computer ja schon lange gern und mit der größten Selbstverständlichkeit eingesetzt, wenn SchülerInnen damit arbeiten wird oft der Ruf nach größtmöglichen Regulierungen laut. Wie schätzen Sie den Umgang mit den "Neuen" Medien in deutschen Schulen ein?

Herr Rau:
Ich kenne mich da nicht gut aus, kann allenfalls für bayerische Gymnasien reden, und auch dort bin ich kein Fachmann. Den in diesem Schuljahr neu hinzugekommenen Absatz in der Gymnasialen Schulordnung für Bayern über das Verbot von eingeschalteten Handys und digitalen Speichermedien halte ich für albern. Ansonsten wird in Schulen Jahr für Jahr alles mehr reguliert, da nehmen Computer keine Sonderrolle ein. Und die Lehrer selber, mich eingeschlossen, neigen im Unterricht insgesamt leider zum Mikromanagement. Bei uns wird mit neuen Medien noch wenig umgegangen, andererseits spielen auch die alten Medien Radio oder Fernsehen keine große Rolle. Ich hoffe, dass es wenigstens mal E-Mail-Verteiler geben wird statt Zettel am schwarzen Brett. Oder einen RSS-Feed vom Kultusministerium zum Einbauen und Kommentieren auf der Schulhomepage.

sagmal.de:
sagmal.de beschäftigt sich ja vor allem mit dem Internet und seiner Entwicklung. Welchen Stellenwert hat das Internet für Sie und Ihre Arbeit?

Nein, das ist nicht Herr Rau, das ist ein Lemur Herr Rau:
Ungern wegzudenken. Ich kriege aktuelle Texte (Bilder, Cartoons, Statistiken) und Ideen für meine Fächer aus dem WWW, ich stelle meinen Schülern Material per Wiki zur Verfügung; ich halte Kontakt zu Kollegen und Schülern per E-Mail. Ich denke, auch die Rückendeckung und Streicheleinheiten durch Mailingliste, Blog und Forum hilft mir. Im Informatikunterricht sind E-Mail, WWW und Seitenerstellung ja ohnehin Thema. Noch zu wenig wird das WWW genutzt, um Ergebnisse zu präsentieren. Da ist die Stellwand in der Schule noch häufiger.

sagmal.de:
Gibt es Internetseiten, die Sie besonders gern besuchen?

Herr Rau:
Es gibt viele, die ich häufig besuche. Besonders gerne bin ich auf Seiten von Schülern, die ich kenne, und deren Schreiben mir gefällt. Die schreiben besser als ich. Und bei einigen anderen Blogs. Alles andere ist sozusagen dienstlich.

sagmal.de:
Wie wird sich das weltweite Netz wohl weiterentwickeln?

Herr Rau:
Da muss ich passen. Was technisch kommen wird, kann ich unmöglich sagen. Wie sehr welche Regierung in welcher Form Einfluss nehmen wird, weiß ich auch nicht. Es werden mehr Menschen mitmachen, und das wird zu mehr Reglementierung führen, vielleicht auch zu mehr gegenseitiger Abschottung, dass sich also quasi getrennte Bereiche entwickeln. Ich weiß nicht.

sagmal.de:
Zu meiner großen Freude habe ich ja neulich bei Ihnen gelesen, dass eine Lemurenart nach John Cleese benannt wurde. Wenn ein Lebewesen nach Ihnen benannt werden sollte, welches könnte es sein?

Herr Rau:
Irgend etwas Kleines. Eine neue Röhrenaal-Art.

sagmal.de:
Welche Frage hätte ich noch stellen sollen?

Herr Rau:
Jede außer dieser. Eine über meine Lieblingsautoren? Ich komme darauf, weil ich erst Frage 10 beantwortet habe und das hier die letzte ist.

Das ist Herr Rau! sagmal.de:
Und nun kommen wir zu den berühmten letzten Worten. Noch ein Schlusssatz?

Herr Rau:
Die menschliche Fähigkeit, Schönes und Wunderbares hervorzubringen, überrascht und entzückt mich immer wieder.

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Das Interview wurde am 9.11.2006 per Mail geführt. Die Fragen stellte Anke Stursberg, freie Mitarbeiterin von sagmal.de.
Wir danken Herrn Rau für die Beantwortung unserer Fragen.
Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen

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