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Ich hoffe, dass es wenigstens mal E-Mail-Verteiler geben wird statt Zettel am schwarzen Brett. Oder einen RSS-Feed vom Kultusministerium zum Einbauen und Kommentieren auf der Schulhomepage.
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Herr Rau, geboren 1967
* 1988-1995 Studium Lehramt für Gymnasium (Deutsch, Englisch) in Augsburg
* 1990-1991 Auslandsjahr an der University of Sussex, Brighton, England
* 1996-1998 Referendariat in Straubing und Marktoberdorf
* 1998 bis jetzt Lehrer in Fürstenfeldbruck
* seit Dezember 2005 auch Lehrer für Informatik (zwei Jahre Kompaktstudium an der TU München)
Verheiratet seit 10 Jahren, keine Kinder. Zwei Brüder, einer davon ein Zwilling. Der hat neulich eine Französin geheiratet. Sie merken, ich suche immer verzweifelter nach Möglichkeiten, den kargen Lebenslauf zu füllen. Meinen ersten Club habe ich gegründet, als ich zwölf war, meinen letzten mit 18. Ähnliche Informationen kann ich zuhauf anbieten, aber sonst ... draußen ist Herbst, und mir fällt auf, dass ich nicht in eienm Beduinenzelt geboren wurde und noch nie als Matrose gearbeitet habe. Nun ja.
Lehrerzimmer
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sagmal.de:
"Der Veteran des schulischen Bloggens, Herr Rau, war meines Wissens
nach der erste Blogger, der ein Weblog ernsthaft im Unterricht
eingesetzt hat - im Jahr 2003 (!)", heißt es heute beim Lehrerfreund.
Stimmt das, bloggen Sie ernsthaft, mit didaktischem Konzept? Wie lange
gibt es Ihr Weblog jetzt schon?
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Herr Rau:
Mein Weblog gibt es seit April 2004. Allerdings gibt es einen Vorläufer
vom September 2003: Das war ein Blog, das ich für meinen damaligen
Leistungskurs Deutsch eingerichtet hatte. Das Blog lief knapp eineinhalb
Jahre und die Schüler wechselten sich mit den Einträgen ab. Dahinter
steckte tatsächlich ein Konzept: Die Schüler (und auch ich) sollten
Rückmeldungen über den Unterricht geben, Buch führen über Geleistetes
und Material sammeln. Ich wollte außerdem, dass mehr aus dem Unterricht
in die Öffentlichkeit kam. Bald danach habe ich das eigene Blog für mich
eingerichtet, zwischendurch auch sonst mal mit Blogs gearbeitet.
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sagmal.de:
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, es zu führen?
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Herr Rau:
Ich hatte bereits meiner Frau beim Einrichten eines Blogs geholfen. Als
ich dann einen Leistungskurs Deutsch übernahm, erinnerte ich mich, dass ich
in meiner Ausbildung von einem Kurs gehört hatte, der die Stunden
mitprotokollierte. Das wollte ich auch ausprobieren, mit der zusätzlichen
Möglichkeit der Kommentierung. Mein eigenes Blog entstand dann, weil ich
selber mehr mitzuteilen hatte als die Schüler, und weil meine Frau viel über
mich gelacht hat und meinte, das würden andere auch tun.
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sagmal.de:
Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt?
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Herr Rau:
Beim ersten Blog damals: Teilweise. Aber ich habe festgestellt, dass die
meisten Schüler kein besonderes Mitteilungsbedürfnis haben, auch wenn ich
das ab und zu anders lese. Mein eigentliches Blog: Ich schreibe etwa so
häufig, wie ich ursprünglich wollte, aber weniger über die Schule, als ich
gedacht hatte. Dabei gäbe es so viel mehr zu schreiben. Vieles darf ich
leider nicht erzählen, bei anderen Dingen fehlt mir die Energie, und dann
ist es auch immer wieder schwierig, sich klar zu machen, dass die banalen
Dinge des Lehreralltags für andere Leute interessant sein könnten. Ich
glaube jedenfalls, dass es noch nicht genügend bloggende Lehrer gibt.
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sagmal.de:
Spielt das Bloggen eine Rolle in Ihrem Unterricht? Wenn ja, welche? Wenn
nein, warum nicht?
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Herr Rau:
Es spielt fast keine Rolle. Ein paar Kollegen erfahren Nachrichten schneller
von meinem Blog als vom unübersichtlichen schwarzen Brett unseres
Lehrerzimmers; einige Schüler lesen mit und kommentieren, und einige Schüler
habe ich vielleicht dazu angeregt, selber lesenswert zu bloggen. Vielleicht.
Aber abgesehen von drei Experimenten, die jeweils nur über einige Monate
gingen, spielt Bloggen keine Rolle mehr für den eigentlichen Unterricht. Ich
habe allerdings Pläne für dieses Schuljahr in Form von Lesetagebüchern und
will auch Bloglektüre mehr im Unterricht einsetzen. Da gibt es aber noch
technische Hindernisse: Viele Schüler haben zu Hause keinen Computer oder
gar Internet-Zugang. Oder auch nur eine permanente E-Mail-Adresse. Also muss
doch das meiste aus dem Computerraum laufen. Da arbeite ich gerade mehr mit
Wikis.
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sagmal.de:
Wenn es um das Verwalten und Sammeln von Daten angeht, werden Computer ja
schon lange gern und mit der größten Selbstverständlichkeit eingesetzt, wenn
SchülerInnen damit arbeiten wird oft der Ruf nach größtmöglichen
Regulierungen laut. Wie schätzen Sie den Umgang mit den "Neuen" Medien in
deutschen Schulen ein?
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Herr Rau:
Ich kenne mich da nicht gut aus, kann allenfalls für bayerische Gymnasien
reden, und auch dort bin ich kein Fachmann. Den in diesem Schuljahr neu
hinzugekommenen Absatz in der Gymnasialen Schulordnung für Bayern über das
Verbot von eingeschalteten Handys und digitalen Speichermedien halte ich für
albern. Ansonsten wird in Schulen Jahr für Jahr alles mehr reguliert, da
nehmen Computer keine Sonderrolle ein. Und die Lehrer selber, mich
eingeschlossen, neigen im Unterricht insgesamt leider zum Mikromanagement.
Bei uns wird mit neuen Medien noch wenig umgegangen, andererseits spielen
auch die alten Medien Radio oder Fernsehen keine große Rolle. Ich hoffe,
dass es wenigstens mal E-Mail-Verteiler geben wird statt Zettel am schwarzen
Brett. Oder einen RSS-Feed vom Kultusministerium zum Einbauen und
Kommentieren auf der Schulhomepage.
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sagmal.de:
sagmal.de beschäftigt sich ja vor allem mit dem Internet und seiner
Entwicklung. Welchen Stellenwert hat das Internet für Sie und Ihre Arbeit?
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Herr Rau:
Ungern wegzudenken. Ich kriege aktuelle Texte (Bilder, Cartoons,
Statistiken) und Ideen für meine Fächer aus dem WWW, ich stelle meinen
Schülern Material per Wiki zur Verfügung; ich halte Kontakt zu Kollegen und
Schülern per E-Mail. Ich denke, auch die Rückendeckung und
Streicheleinheiten durch Mailingliste, Blog und Forum hilft mir. Im
Informatikunterricht sind E-Mail, WWW und Seitenerstellung ja ohnehin Thema.
Noch zu wenig wird das WWW genutzt, um Ergebnisse zu präsentieren. Da ist
die Stellwand in der Schule noch häufiger.
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sagmal.de:
Gibt es Internetseiten, die Sie besonders gern besuchen?
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Herr Rau:
Es gibt viele, die ich häufig besuche. Besonders gerne bin ich auf Seiten
von Schülern, die ich kenne, und deren Schreiben mir gefällt. Die schreiben
besser als ich. Und bei einigen anderen Blogs. Alles andere ist sozusagen
dienstlich.
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sagmal.de:
Wie wird sich das weltweite Netz wohl weiterentwickeln?
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Herr Rau:
Da muss ich passen. Was technisch kommen wird, kann ich unmöglich sagen. Wie
sehr welche Regierung in welcher Form Einfluss nehmen wird, weiß ich auch
nicht. Es werden mehr Menschen mitmachen, und das wird zu mehr
Reglementierung führen, vielleicht auch zu mehr gegenseitiger Abschottung,
dass sich also quasi getrennte Bereiche entwickeln. Ich weiß nicht.
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sagmal.de:
Zu meiner großen Freude habe ich ja neulich bei Ihnen gelesen, dass eine
Lemurenart nach John Cleese benannt wurde. Wenn ein Lebewesen nach Ihnen
benannt werden sollte, welches könnte es sein?
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Herr Rau:
Irgend etwas Kleines. Eine neue Röhrenaal-Art.
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sagmal.de:
Welche Frage hätte ich noch stellen sollen?
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Herr Rau:
Jede außer dieser. Eine über meine Lieblingsautoren? Ich komme darauf, weil
ich erst Frage 10 beantwortet habe und das hier die letzte ist.
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sagmal.de:
Und nun kommen wir zu den berühmten letzten Worten. Noch ein
Schlusssatz?
Herr Rau:
Die menschliche Fähigkeit, Schönes und Wunderbares hervorzubringen,
überrascht und entzückt mich immer wieder.
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Das Interview wurde am 9.11.2006 per Mail geführt. Die Fragen stellte Anke Stursberg, freie Mitarbeiterin von sagmal.de. Wir danken Herrn Rau für die Beantwortung unserer Fragen. Die in diesem Interview verwendeten Grafiken unterliegen dem Copyright und wurden nur für dieses Interview von den entsprechenden Webseiten entnommen |
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