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Interviews unterliegen immer, auch wenn sie noch so gut gemacht sind, einem gewissen Zwang durch die Fragestellung.
Und sie sind meist auf ein ganz spezielles Thema bezogen, wegen dessen man den Interviewpartner interviewed hat.

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 ... Liebestest!

Der Liebestest
von Ulrike Renk.

„Schatz, kannst du mir mal ...“, der Satz steht am Anfang vieler Beziehungen ... nicht ganz am Anfang, da stehen andere Sätze. Vom ultradoofen: „Kennen wir uns nicht?“, bis hin zu originellen Sätzen wie: „Glaubst du an Liebe auf den ersten Blick, oder muss ich noch mal an dir vorbeigehen?“.
Doch wenn es zu einer Beziehung gekommen ist und sie sich einigermaßen gefestigt hat, kommt irgendwann unweigerlich dieser Satz: „Schatz, kannst du mir mal ... den Eistee bringen.“, „... Kaffee einschütten.“, „... noch eine Stück Kuchen geben.“ Usw. usw. meist gefolgt von einem etwas Leiseren oder etwas Lauterem (je nach Aufforderungsgrad und Länge der Beziehung)
„... du stehst ja eh gerade!“

Die Reaktion auf diesen Satz lässt viele Schlüsse auf die Beziehung zu.
Am Anfang, wird der ‚Schatz’, ob er nun steht, sitzt oder sogar liegt, aufspringen, sich fortbewegen, das Gewünschte holen. Mit der Zeit lässt der Eifer nach.
Isso, würde nun Bastian Sick in seiner allumfassenden Weisheit sagen. Nach dem Autor des Zwiebelfisches ist Isso die Kurzform von Ich schrei sonst. Was eigentlich heißt: Mir fallen keine weiteren Argumente ein.

Okay, der Eifer lässt also nach, der Wille dem/ der Geliebten etwas eilig herbeizuholen wird weniger. Heißt das, dass auch die Liebe nachlässt?
Nicht zwingend. Es ist eine Frage der Definition, wie so Vieles im Leben. Es ist die Frage, wie wichtig uns der/ die andere ist. Am Anfang stand das Wort ...
„Schatz ...“ da schmolzen die von Hormonen gesteuerten Gefühle noch. Nach tausendmal „Schatz ...“ nutzt sich das Wort einfach ab.
Gut, es gibt Variationen. Von Schnuckiputz (ich würde eher sterben, wenn mich jemand so nennt, als aufzuspringen) über Liebling (kitschig, oder nicht?) bis hin zu Mausebär (was für eine Gattung Tier dürfen wir uns darunter vorstellen?).
Der Sinn bleibt der gleiche. Inzwischen ist die Beziehung gefestigt. Wir wissen, er/sie wird uns nicht sofort verlassen, wenn wir das Gewünschte nicht tun.
Auch die Sprache verändert sich im Laufe der Zeit. Aus „Schatz, könntest du ...“ welches eine Frage darstellt, wird eine schlichte Feststellung: „Der Müll ist voll.“ 'Der Müll ist voll', ist eine Aussage. Eigentlich impliziert dieser Satz eine Frage.
„Der Müll ist voll, Schatz. Könntest du ihn hinausbringen?“ in guten Zeiten und „Der Müll ist voll, bring ihn raus!“, eine Aufforderung in gefühlsmäßig etwas knapperen Zeiten.
Natürlich könnte es auch bedeuten: Der Müll ist voll und ich werde ihn gleich mit nach draußen nehmen. Eine simple Feststellung also. Das ist es aber in den wenigsten Fällen, denn wer spricht schon mit sich selbst?
Die Sprache kann also eine Art Barometer für den Grad der Liebe sein.
Ein trügerisches Barometer, denn die meisten Dinge einer Beziehung unterlaufen Mustern, die nicht mit gesprochenen Wörtern verbunden sind. Körpersprache zum Beispiel, oder ungesagte Dinge.
Körpersprache zu deuten ist ungleich schwerer als dem gesprochenen Wort zu folgen. Egal wie formuliert, als Frage, Aufforderung oder Feststellung, Wörter unterliegen einer klaren Definition.
Der neunzig Grad Andachtswinkel kann aber sehr unterschiedliche Dinge ausdrücken. Von „Natürlich, sofort!“ bis zu „Oh Gott, schon wieder!“

Ich habe festgestellt, dass es eigentlich ganz einfach ist, den Liebesgrad festzustellen. Das ging mir auf, als ich in den Kinderzimmern noch einmal die lieben Kleinen kontrollierte. Sie schliefen und selten liebe ich meine Kinder so, wie wenn sie friedlich schlummern.
Ich habe sie alle zugedeckt, die Decken zurecht gezupft. Ein Akt der puren Liebe. Und da ging es mir auf: das ist das ultimative Zeichen. Liebt er mich, wird er mich auch zudecken.
Ich legte mich also auf das Sofa und drapierte die Decke irgendwie rund um meine Knie ... zu leicht bekleidet für diesen Sommer, der irgendwie keiner werden will. Dann fiel ich in den passenden Winterschlaf – anscheinend. Die Versuchsperson kam vorbei und ... ich wusste, es gab etwa drei Möglichkeiten seiner Reaktion. Er würde mich zudecken ( „Schatz, kannst du mal ...?“ „Sofort, Liebes!“), er würde nur ein wenig an der Decke zupfen („Schatz, kannst ...“ „Hmmpf“), er würde sich auf das Sofa neben mich fallen lassen und laut: „Wo ist die Fernbedienung?“ fragen („Schatz, ...“ „Machs doch selber!“).

Der Test ist aussagekräftig. Probieren Sie es aus.

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Ulli RenkUlrike Renk
ist Schriftstellerin, Lektorin, Herausgeberin, Geliebte, Mutter und freie Mitarbeiterin von www.sagmal.de. Sie wohnt mit Kindern, Katzen, Mäusen, Hasen, Enten und Freund am Niederrhein.

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